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Handy & Neander

bei der Arbeit

 

Mit den Millionen und Abermillionen Prozessen, die die Evolution nach und nach dem genetischen Katalog hinzugefügt hat, entstand ein verteiltes komplexes System, das sich selbst an die Unüberschaulichkeit heranentwickelt hat.

 

Irgendwo muss sich mit der weiteren Hinzufügung eine Verstrickungswahrscheinlichkeit ergeben haben, die der selektiven Evolution Einhalt geboten hat. Noch mehr Prozesse haben nicht wirklich einen Überlebensvorteil bedeutet oder gar Nachteile, von denen wir dann nichts wissen.

 

Einschub: Jede Pflanze hat Gift und andere Tricks entwickelt, um nicht gefressen zu werden und hat damit das Überleben ihrer Art gesichert. Alle hungrigen Pflanzenfresser haben sich im Gegenzug bemüht, ihre Art zu erhalten, indem sie die Giftmischer mit Anpassung überlisteten und sie trotz des Giftes fraßen. Darauf rüsten die Pflanzen weiter auf und darauf wieder die Pflanzenfresser. Nun ist die Evolution in ihrem Kern ein Klötzchen auf Klötzchen System und deshalb irgendwann an Grenzen der Zweckmäßigkeit gestoßen. Immer noch eine komplizierte Chemie hinzuzufügen, stört aufgrund der Verzweigungen und Rückwirkungen der Prozesse auf Prozesse, die gar nicht gemeint waren und landet damit wegen einer nützlichen Anpassung für einen speziellen Fall in einer Verschlimmbesserung im gesamten System. Klar, dass die Evolution durch Selektion eben nicht die Verschlimmbesserten durch das Problem hindurch gebracht, sondern auf dem Weg verloren hat. Wir kennen die Spezien nicht, die an der Grenze der Weiterentwicklung angelangt sind, sie existieren nicht mehr und haben keine Stückzahlen erreicht, sodass wir nur noch Ergebnisse der Experimente finden könnten.

 

Korrekterweise wäre die Entwicklung an dieser Stelle, den nicht mehr verbesserbaren Strukturen ohne und wegen der sich gleichzeitig verschlechternden Gesamtsituation zum Erliegen gekommen. Ist sie aber nicht. Bei diesem unglaublich findigen System, das die Evolution in Wirklichkeit ist, entstand eine neuartige Aussackung des in Erdzeitaltern entwickelten und von uns Gehirn genannten Konglomerats aus Entwicklungsschritten – der Geistessack. Wir sagen Großhirn, nennen es den Sitz des Denkens und vermuten dort Intelligenz und Persönlichkeit. Die Dinge müssen Namen haben, deshalb müssen wir es mit den begrifflichen Unschärfen aushalten.

 

Das Wort Geistessack benennt nur diesen Ort der neu erfundenen jedoch nicht eindeutig identifizierbaren Fähigkeiten. Dieses einmalige Upgrade erlaubt neben aufnehmen, erinnern nun zusätzliches theoretisches Erwägen von Sinneseindrücken und deren Verknüpfungen zu Erfahrungen und theoretischen Kenntnissen und es verändert so gleichzeitig durch den Einfluss der gewonnenen Erkenntnisse die Vorgehensweisen eines Individuums und damit dessen Lebensweise. Das machen natürlich alle Lebewesen. Aber nur wir haben eine Methode gefunden mittels komplizierten Lauten detaillierte Informationen weiterzugeben. Bis zu Warnrufen, Laute zur Abwehr oder Signale des Wohlseins, Verständigung unter Wasser, um Hochzeiten zu arrangieren und ähnliches mehr, sind viele Tiere gekommen.

 

Einzelne Erkenntnisse und in der Folge Erfahrung und deren Verwertung sind nach dem Upgrade „Geistessack“ frei im Individuum bildbar. Sie werden in jedem Individuum anders ausfallen und damit eine Vielzahl von Entwicklungen ansteuern, die nun nicht mehr einer Spezies gemeinsam, sondern jedem Individuum innerhalb einer einzigen Spezies zufallen. Mit diesem Trick wurde die schiere Zahl von Versuchen, Probleme, die sich stellten, zu lösen, exponentiell vervielfacht. Das Ergebnis ist bekannt. Wir sind mit dem Upgrade deutlich zu erfolgreich und belasten zum Schaden allen Lebens die Erde im Übermaß.

 

Freie Bahn für Erkenntnisse. Die Beobachtungen, die die anderen Sippenmitglieder bezüglich der Fortschritte einzelner begabter Erfinder machen, ändern damit die Lebensweise aller Sippenmitglieder. Die Beobachtungen anderer Sippen bezogen auf Handwerk, Waffen, Jagdmethode, Kräuterkunde usw. erlauben ein Übertragen der Fähigkeiten auf andere Sippen. Neandertaler, die mit den kognitiven Prozessen nicht mithalten konnten, wurden auf die bekannte evolutionäre Art selektiert. Der Geistessack unterscheidet sich von den vorhergehenden evolutionär gebildeten zusätzlichen Features revolutionär.

 

Der Geistessack ist zum Zeitpunkt seiner Entstehung keine neue Eigenschaft, die irgendein bislang nicht gelöstes Problem überwindet, sondern nur eine Option. Er bietet die Fähigkeit. Ob und wie sie vom Individuum genutzt wird, ist nicht vollständig vorhersagbar. Aus der Sicht eines Neandertalers, war es ein Tumor, eine Krankheit am Kopf – ein sapiens-Tumor.

 

Zur Verdeutlichung: Elefanten, Webervögel, Octopusse, Schimpansen und viele andere Tiere haben bevor es den homo sapiens gab, eindeutig kognitive Fähigkeiten entwickelt und unterrichten auch. Der Geistessack ist eine der beiden Alternativen, die die Evolution für Massen an Individuen entwickelt hat. Uralt sind Schwärme und Herden. Dort sind die Kognitionen nicht individuell sondern die Intelligenz liegt beim Schwarm, der Herde.

 

Die evolutionäre Vorbereitung und Steuerung beim Menschen endet dann aber wegen der Vielzahl von Individuen an der Reichweite der Sinne, die Kommunikation erlauben. Die Bergpredigt funktioniert nicht ohne Lautsprecher. Ohne technische Hilfe kann einer nur wenige Hundert informieren und in freier Natur noch nicht einmal die.

 

Nur in Schwärmen und Herde gelang die Verlagerung der Intelligenz in die Kommune und erlaubt es damit große Populationen zu steuern. Menschenkommunikation ist hierzu nicht einfach genug und die Auslagerung geht immer auf Kosten der Individualität. Diese hatte aber doch im homo sapiens gerade die Chancen zur Findung von multiplen Lösungen in allen Klimazonen der Erde erhöht.

 

Der Geistessack schafft einen Zwitter beider Komponenten. Er ermöglicht individuelle Erkenntnisse und über das Vehikel Erdachtes mit Sprache zu kommunizieren. Über dieses Kommunikationsmittel werden Hierarchien möglich, die weit differenzierter sind als etwa Rudelführung und Clanchefbestimmung. Das ist das neuartige am Geistessack, nicht evolutionäre Abstufung durch praktisch erlebbare Fähigkeit bestimmt den Rang, sondern eine virtuelle, nur durch Bezeichnung gewählte Unterscheidung erbringt die Hierarchien. Musterbeispiele sind militärische, kirchliche und weltliche Hierarchiesysteme.

 

Heutzutage fallen vor allem berufliche Hierarchien den Menschen zur Last. In Umkehr der evolutionären Vorgaben erfolgen Hierarchien durch Benennungen in Verträgen und haben wenig mit beobachtbarer tatsächlicher Qualität zu tun. Nachteilhaft ist insbesondere die Undurchdringlichkeit des Systems durch echte Leistung. Die Rangordnung in Sippen musste stets und ständig untermauert werden. Ihre Wirksamkeit sicherte das Überleben der Sippenmitglieder.

 

Die modernen Hierarchien sichern die Befugnisse, die Macht und den Rang der jeweiligen Inhaber. Das ist zwar eine Verfremdung des Erfolgsprinzips, dem die Evolution alles unterwirft, im Hinblick auf denkbare Steuerelemente für große und größte Populationen bislang unvermeidbar. Die Fortentwicklung kann demnach nur über ebenfalls künstlich erdachte, in die Hierarchie einzuziehende, Bewährungsproben befördert werden. Hierbei ist Widerstand zu erwarten.

 

Unübersehbar finden die überkommenen Rangkämpfe aber neben den intellektuellen Festlegungen dennoch statt. Hierher kennen wir Burnout und Mobbing. Beide haben mit dem Ungleichgewicht der Rangbedeutung und dem eigenen Leistungsempfinden zu tun. Fallen die zu sehr auseinander, setzt sich der EVO durch. Er startet ein sich selbst verstärkendes Missempfinden bis hin zu ernsten Krankheiten und zwingt den Betroffenen (das von ihm beherrschte Ich) als ultima ratio zu Veränderungen. Ultima Ratio ist hier falsch, denn es ist ja gerade kein rationaler Vorgang, nennen wir es treffender …den letzten Ausweg.

 

Differieren die eigene innere Rangliste und die des Chefs, oder der Kollegen - was sie fast immer tun - ergeben sich Rangeleien, die gut im Verrat münden können. Denn sie werden nicht einfach mit Muskelkraft und deren Einsatz folgenden, meist klaren Ergebnissen erstritten, sondern mit derivierten Komponenten - z.B.: Befehlsgewalt, Richtlinienkompetenz, Abteilungsleiterrechten, Beurteilungen in Personalakten, Versetzungen, in Japan an's Fenster setzen und diversen weiteren Maßnahmen. Es gibt keine Grenze für Einfälle - dem Fluch der Intelligenz.

 

 

 

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