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Handy & Neander

bei der Arbeit

 

Es geht halt nicht anders!

 

Das Wechselspiel zwischen Führung und Gefolge ist der Knackpunkt in menschlichen Gesellschaften.

 

Eine Herde Tiere wird auch geführt, aber die Herdenmitglieder folgen. Mag es gut sein oder nicht, wird sich weisen. Diskutiert wird der Führungserfolg aber nicht.

 

Bei Menschen hat sich das evolutionär spät und nur ein einziges Mal hinzugefügte Hirnupdate aber mit genau diesen Merkmalen eingebracht.

 

Die Tierherde hat im Prinzip eine Meinung.

 

Die Menschen haben mit ihren Individualgehirnen und zwar jeder Einzelne von Ihnen immer mehrere und obendrein situativ wechselnde Meinungen. In dem komplexen lebenden, also sich durch Eindrücke und deren Verarbeitung ständig ändernden Ansichten, dem Meinungsgewusel eines einzigen Herdenmitglieds existiert keine feste Meinung und damit gleich gar nicht in Gesellschaften.

 

Unsere Führung führt alternativlos in eine Richtung, so die Absicht, aber wir folgen nicht.

 

Wir diskutieren das und sind vielleicht dafür oder auch nicht aber auch nicht dagegen oder auch das nicht und wahlweise millionenfach unterschiedlicher Meinung und schon morgen wieder ein bisschen anders als gestern und vorgestern.

 

Was dabei herauskommt, ist das Massendilemma.

 

Jede und jeder sucht individuell seinen persönlichen Vorteil – das darf als gesichert gelten und versetzt so das eigentliche, formulierte Ziel der Führung in winzig kleine Zettelfetzen. Viele folgen allerdings aus unterschiedlichen Gründen und viele folgen nicht und das auch wieder aus unterschiedlichen Gründen.

 

Neues Thema, was macht die Führung (der Führer) mit dem soeben beschriebenen Gefolge?

 

Sie erkennt, dass es so nicht geht!

 

Sie überlegt, wie es denn gehen könnte?

 

Sie entscheidet, weil nichts anderes bleibt:

 

Sie isoliert sich vollautomatisch, weil sie eine Meinung verteidigt – oder besser verteidigen muss.

 

Sie setzt diese Meinung durch und steht direkt vor dem Scheitern oder dem Erfolg.

 

Gelingt es, die hauptsächliche Herde hinter sich zu versammeln, Heil Hitler, dann werden alle unterworfen, weil Abweichler jetzt in der Machtminderheit sind.

 

Einfach nur, weil sich das bewährt hat, wird Abweichlermeinung bekämpft.

 

Die Anschlussmengen werden damit vereinheitlicht und die Gegenmeinung isoliert und damit gefährlich für den Abweichler.

 

Diese Führerautorität wird meines Erachtens recht hilflos in demokratische Vielheiten aufgelöst. Das Ergebnis ist das Ergebnis, das dabei herauskommen muss, es gibt Vielheitsbeschlüsse die funktionieren auf recht niedrigem Niveau, weil es grundsätzlich niemals eindeutige radikale Beschlüsse geben wird (siehe oben: Unsere Führung führt alternativlos in eine Richtung, so die Absicht, aber wir folgen nicht).

 

Wegen unserem massenhaften individuellen Ansichten und Bestrebungen erzwingen wir immer wieder für Führer/Innen eine dramatische Verengung der Stoßrichtung und landen damit im Despotentum.

 

Das Nicht wirklich folgen wollen erzwingt das erzwungene Führen. Und seid ihr nicht willig, so brauche ich Gewalt, ist demnach eine unauflösliche beidseitige Abhängigkeit.

 

Die geschichtlich repräsentierten Beispiele sind zahllos. Ein Stammeshäuptling hat ein Ressourcenfeind, das ist mit dem Aufkommen immer zahlreicherer Menschen nicht zu vermeiden.

 

In größeren Zusammenschlüssen passiert das gleiche und die Abweichlerminderheiten, die nicht hören wollen, werden bekämpft. Immer mit dem gleichen Spruch:

 

Es geht halt nicht anders.

 

 

Beispiele:

 

http://evolutionsblog.de/gesellschaft/282-ewig-her-geschichte-gestern-heute-morgen.html

 

und ein Superfund von heute auf Zeit online

 

http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2017/03/nationalsozialismus-adolf-hitler-luegen-populismus/komplettansicht

 

Klasse Einblick in die „politische Lüge“ und speziell die Nagelbrettlüge von Jamie Oliver

 

Autor Harald Welzer

 

 

 

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Bild mit Link zum Verlag Sinnhalt.com