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Handy & Neander

bei der Arbeit

 

nur artgerechte Haltung.

 

Darauf achten wir, wenn es um Tierhaltung geht. Warum eigentlich dann ausgerechnet bei Menschen nicht – wir selbst brauchen keine artgerechte Haltung?

 

Weit, wahrlich, sehr weit gefehlt.

 

Der Körper vom Menschen ist auf dem Planeten Erde unerreicht die absolute Spitze.

 

Kein anderes Lebewesen kann so vielfältig und in allen Achsen die unglaublichsten Moves vollbringen. Wir können auf Slacklines entlanglaufen, Salto auf dem Moped machen, Snowboarden mit Pirouetten, Schrauben und Salti in der Luft. Im Bodenturnen, könnte kein noch so cleveres Raubtier mithalten. Beim Reckturnen hätten selbst Gibbons massive Probleme in die Ränge zu kommen. Jonglagen, Ballett, Kunstradfahren, Apnoetauchen, Freiklettern und Zirkuskunststücke aller Art.

 

Was wir absolut nicht können ist, anständig jagen. Ohne Krallen zum Halten und Reißzähne zum Reißen geht es nicht. Wir können nicht ordentlich fliehen, weil wir zu langsam sind. Wir können nicht den Baum hoch, weil wir keine Krallen und keinen Greifschwanz haben. Wir sind richtig echte Looser, Nahrungsmittel - Futter einfach.

 

Unsere Chancen waren so mies, dass wir eine Lösung brauchten und diese Engstelle hat uns den cleveren Körper beschert.  Nur zwei Beine und einen Querriegel zur Balance, darauf eine komplett bewegliche Säule, die keinerlei Verstarrungen außer ganz unten und direkt am Kopf hat. Wirklich beeindruckend ist, dass Mediziner diese Megaidee für eine Fehlkonstruktion ausgeben. Schande über Sie!

 

Die zwei Laufstützen müssen doch irgendwo Halt haben. Das macht dieser Ringknochen, Becken geheißen – weil er aussieht als könnte man darin die Hände waschen. Die Spur wurde verbreitert, damit der Zweibeiner seitlich leichter stabil wird, als bei zu eng stehenden oberen Traggelenken. Die Spurverbreiterer heißen Oberschenkelhalsknochen.

 

Die obendran rasch beweglich werdende Wirbelsäule ist der Gag. Sie alleine erlaubt alle diese  Sportleistungen, die oben stehen.

 

Die einzige Fehlkonstruktion an uns ist das intellektuelle Gehirn, das noch nicht einmal ohne massive Mühen derart einfache Zusammenhänge nachvollziehen kann. Unser altes Gehirn, ohne diese halbkluge graue Masse, Kann nicht reden, aber alles andere perfekt. Den Teil zusammen mit dem Körper nenne ich den EVO – den evolutionären Teil von uns - siehe oben den Neandertaler.

 

So und den Typen müssen wir jetzt nur noch artgerecht halten.

 

Er kann aufrecht gehen, stehen traben, laufen, notfalls rennen. Marathon laufen ist für ihn dummes Zeug, weil du dann nicht mehr fliehen kannst, wenn es gerade nötig wird. Nach 42 km ist jeder platt – und bitte wer fängt dann das Mittagessen? Wasser müsstest du mitnehmen, weil im „Neanderthal“ stehen keine Streckenposten am Straßenrand. 

 

Und wenn du nach der Ruhepause was gefangen hast, musst du es wieder 42 km zurück tragen. Auf dem langen Weg schauen dir ein paar Hungrige zu. Ich glaube nicht, dass du das schaffst.

 

Der EVO kann prima liegen und ruhen, sitzen kann er nicht richtig. Der Grund dafür ist das Zweibeiner – Fahrwerk. Der Knochen auf dem wir sitzen heißt Sitzbein, ist aber vorne am Becken einem Habmond ähnlich angebracht. Die Wirbelsäule stützt sich aber hinten auf das Becken, weshalb kein Knochen den unteren Rücken beim Sitzen stützt. Unter der Oberschenkelfalte ist das Sitzbein und das Gewicht des ganzen Oberkörpers steht 20 cm weiter hinten frei in der Luft, aufgelagert auf dem Beckenknochen. An der Stelle ist es auch noch nach vorne gebogen. Wir sitzen auf dem großen Gesäßmuskel, der sich aber in Sitzhaltung schnellstens entspannt – machen Muskeln eben so. Die einzige mögliche Sitzhaltung ohne Schaden anzurichten, ist bei durchgedrücktem Rücken und ganz vorne auf dem Stuhl. Wer macht so was?

 

Ganz besonders Hüften werden sitzend schlecht versorgt und rosten regelrecht ein.

 

Ab Baby im Kinderwagen halbliegend, im Kindergarten still sitzen, in der Schule still sitzen, im Büro still sitzen und abends vor dem Fernsehen bequem sitzen. Wir sitzen fast nur.

 

Artgerecht ist:

 

gehen, den ganzen Tag, rauf und runter, hin und her, suchen, bücken, bringen und holen. Spähen, jagen, wandern, umziehen mit Sack und Pack. Zum Ausruhen liegen.

Im Sommer 16 Stunden gehen und 8 schlafen, im Winter 8 Stunden gehen und 16 Stunden ruhen. Je näher wir zum Äquator kommen, werden die Differenzen geringer.

Weil wir den ganzen Tag sitzen, können wir zur Abwechslung nicht einfach mal losrennen. Das machen nahezu alle falsch, die merken, dass ihr Körper streikt.

Sehnen Muskeln, Gelenke, Gelenkflächen, Blutgefäße, Lymphgefäße, Lunge, Zwerchfell, Beckenboden, alles, was man dazu braucht, ist nicht fit.

 

Rezept:  bergauf gehen:

 

So kurz erklärt, wie möglich.

 

Langsam, weil alle Teile sich erst an die Überraschung – wir gehen tatsächlich – gewöhnen müssen. Mit 2 km/h aber mit maximaler Steigung anfangen. Nur zum sehen, ob das geht, sonst eben langsamer. Das dauert nicht lange und der Körper findet den ihm angenehmen Rhythmus. Sowie er den Ablauf drauf hat, will er von alleine mehr. So sind unsere Körper, absolut ehrgeizig. Hat die Evolution eingerichtet, weil ohne Belohnung niemals einer aufgestanden wäre.

 

Wenn die Luft knapp wird langsamer gehen. Wenn die Beine signalisieren, es geht nicht mehr, sofort tief und konsequent viel atmen. Diese Meldung ist ein Trick, um Anstrengung einzusparen. Das kommt daher, weil der Körper nach ein paar Schritten schon merkt, dass er Energie in den Muskeln abliefern muss. Nicht gleich nachgeben, langsamer gehen. Dann kommen alle anderen Tricks hinterher. Der Rücken tut weh, das Knie, die Hüfte, die Schultern, die Arme, der Nacken. Das Spiel ist immer dabei. Der EVO hat den Job, Energie zu sparen. Ist bei uns Vielfressern Quatsch, aber eben ein evolutionsaltes Prinzip. Das Gegenkonzept ist der Aufbau, wenn trotz Sparbefehl Anstrengung ansteht.

 

Alle Teile werden aufgepeppt, auch ein genau so altes Evolutionsprinzip. Die Stelle, die wir brauchen ist der Schmerz und/oder die Schwäche in den Muskeln. Die senden ganz andere Signale, aber unser Gehirn macht daraus Schmerzempfindung und operiert mit dem Signal, um herauszufinden, wie ernst der Wille des EVO zur Anstrengung ist. Dass wir auf dem Laufband nur simulieren kapiert der Körper nicht. Er reagiert planmäßig auf die Anstrengung, mehr Programm ist da nicht. Und zwischendurch meldet er immer wieder, ich will nicht mehr. So ist er gebaut der EVO, er macht das brav.

 

Keine Sorge, der jeweilige Leistungslevel ist kolossal abgesichert. Wer es übertreibt und die Signale missachtet, kriegt sofort beachtliche Nachrichten: Schwindel mit Angst, Herzrasen, Wackelbeine, verläuft sich auf dem Laufband durch kopfgesteuerte Koordinationsstörungen und vieles mehr. Im Laufe des sich steigernden Trainings bleiben die Signale immer die Selben, aber sie kommen viel später. Das ist der Trainingseffekt.

 

Trainiert wird beim bergauf gehen alles. Das merkt man schnell. Hüften, Knie und Wirbelsäule profitieren am meisten, weil sie direkt aber schonend angefordert werden.

 

Das große Geheimnis ist: Das eigene Gewicht anzuheben, klärt für den Körper alle Fragen. Denn massenhaft melden beim nach oben gehen bei jedem Schritt, Sensoren in allen Zellen, dass Millionen Zellen nachgebessert werden müssen.

 

Unser Körper weiß immer ganz genau, was er leisten kann. Aus diesem Grund registriert er schon beim ersten Schritt bergauf, was alles nicht ausreichend fit ist und startet die nötigen Vorgänge in allen Zellen (oben die roten Teile).

 

Immer maximal schräg stellen, weil Erleichterungen kappen den Mut sofort. Besser das Tempo regulieren, dann muss immer noch alles angehoben werden, aber mit Muse.

 

Zwei, besser drei Mal die Woche 15 Minuten. Wer Lust bekommt, geht so oft es möglich ist. Es wird nichts kaputt strapaziert, ausschließlich regeneriert und darüber hinaus, wie beschrieben, aufgebaut. 1 Tag Training, 2 Pause ist sinnvoll.

 

Spätestens nach vier Wochen werden generell 30 Minuten gegangen. Am Ende vielleicht langsam aber durchhalten. Wer sich unterfordert fühlt, gibt bitte ohne Verzögerung Gas. Immer eine Einheit schneller. Wenn das nicht reicht, immer noch eine Nummer mehr.

 

Ich gehe jede Wette ein, dass die Hüfte nach einem halben Jahr perfekt funktioniert und noch viele Jahre mitmacht. Einzige Voraussetzung ist artgerechte Haltung. Wenn ich recht habe, muss Britta die Badminton-Truppe verköstigen. - Abgemacht ?!

 

 

 

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Bild mit Link zum Verlag Sinnhalt.com