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Handy & Neander

bei der Arbeit

 

 


Die Evolution ist eine Notlösung – eine einzige ununterbrochene Reihe von aufeinander aufsitzenden Hinzufügungen - Lösungen für die unterschiedlichsten Notfälle. 

 

Ein Einzeller muss einige wenige Prozesse bewältigen. Eine komplexe Lebensform wie allehöheren Tiere müssen eine Unzahl von Prozessen zu jeder Zeit bewältigen; beide, um am Leben zu bleiben und damit die Art zu erhalten.

 

Es geht nicht nur um essen, trinken, schlafen und zeugen. Es geht um verschachtelte ineinander und übereinander greifende biochemische Verfahren, die sich in Millionen Jahren Knoten für Knoten und Verflechtung für Verflechtung entwickelt, verworfen, umgebaut und letztendlich etabliert haben. Viren haben Gene in unsere geschleust mal hilft es, mal tötet es und für jeden Angriff und jede Veränderung gibt es eine Selektionsphase und wird diese überwunden, bleibt die evtl. korrigierte Hinzufügung im Katalog erhalten und in die Zukunft mitgeschleppt. Die schiere Anzahl dieser komplexen Attribute muss eine obere Grenze haben. An einer bestimmten Stelle ist ein, noch eins und noch eins, wenig förderlich aber für viele andere Verzweigungen gefährlich, blockierend, also ein zurück, ein weniger als zuvor. An der hoch entwickelten Spezies, Mensch, wird es erstmals sichtbar. Die Natur setzte an dieser Grenze der Verschlimmbesserungen auf ein ganz anderes ganz neues und ganz anders funktionierendes Feature – das Gehirn.

 

Es ist gebaut, um keine vererblichen Hinzufügungen für eine ganze Spezies, sondern um in einem einzigen und damit einzigartigen Individuum entwickelte Einzelwege in Aussicht zu stellen, die möglicherweise der ganzen Spezies zu Erfolg verhelfen, ohne alle bisher errichteten Erfolgskonzepte weiter zu verändern und damit zu gefährden.

 

Letztlich ist das der Grundstein für Zivilisation. Jenes frei verfügbare Gehirn, hat keine Vorgaben. In ihm gibt es nur eine Grundfunktion – es sammelt und verwertet ohne Unterlass Sinneseindrücke und sucht nach Zusammenhängen. Im Traum, im Wachen, jederzeit und überall. Tagsüber wird die Rechenarbeit durch real existierende Notwenigkeiten gestört, die geistige Instanz teilt Zeitschlitze für die Außenweltwahrnehmung zu, was der Grund ist, dass wir uns konzentrieren müssen. Hätten wir die Konzentration immer zur Verfügung, wäre konzentrieren nicht anstrengend. So aber muss man sich, je länger es dauert, gegen das verdammt selbständige Gehirn durchsetzen und ihm Rechenzeit abtrotzen. Die Tricks, die dieses nun wieder anwendet, um uns genau von dieser versuchten Herrschaft über das Geschehen im Gehirn abzuhalten sind zahl- und variantenreich.

 

Die Freiheit des Gehirns, selbst zu entscheiden, was Prioritäten haben soll, ist der Start fürunsere intellektuelle Kommunikation. Freilich hat dies Cleverli von Organ bemerkt, dass doofes Winken zu ungenau ist, um einem Jagdkollegen mitzuteilen, wo er genau hinschleichen soll und welcher Taktik dies dient. Vorgehensweisen sind abstrakte technische Überlegungen, die sich dem in der Frühzeit etablierten, seinerzeit absolut ausreichenden nonverbalen Kommunikationssystem nicht erschließen. Man muss es dem Kollegen sagen können und ihn seine Überlegungen mitteilen lassen, um  Vorgehensweisen noch feiner abzustimmen und sie auch außer Sicht und Hörweite wirken lassen zu können.

 

Die kognitiven Fertigkeiten, die das neue Großhirn nun verfügbar machten, gestalteten in Wahrheit den gesamten Fortschritt. Das individuell erworbene Wissen lässt sich kostengünstig an Nachfahren ausbringen, die dann früh lernend, mehr von diesen Fähigkeiten von Generation zu Generation in allen Bereichen auf neue Stufen brachten und immer noch bringen – oder nicht – oder nicht mehr.

 

Die Parallele, das Spiegelbild der modernen Zivilisation, die in den letzten 100 und vor allem in den letzten 20 Jahren explodiert is,t scheint genau den selben Berg vor sich zu haben, den die Evolution schon erleiden musste. Alle könnten alles wissen, wenn dies denn noch in einem realen Zeitzusammenhang erlernbar wäre. Jetzt ist der Engpass nicht wie in der Frühzeit, die Fähigkeit frei denken zu können, jetzt ist der Engpass die erneute Überforderung eines Systems, das sich in unüberschaubaren Strukturen festgerammelt hat.

 

Wie eingangs erwähnt, hat die Evolution ihre eigene Kompliziertheit bemerkt und stoppte die Verkomplizierung der Spezies. Jetzt, hier und heute, stoppt die doch begrenzte kognitive Fähigkeit des individuellen Großhirns die Weiterentwicklung der Massengesellschaften, wegen seiner Begriffsstutzigkeit.

 

Erneut sind Grenzen erreicht – und nun?    

Nun sehen wir das Spiegelbild beider Entwicklungen und was machen wir damit?

Nachdenken, wie man das Chaos in den Griff und strukturiert bekommt.

Siehe:  Chaos im Griff  (erscheint in Bälde) Nutzt die Zeit und prüft die Aussagen auf Plausibilität.

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Bild mit Link zum Verlag Sinnhalt.com